Grenchen: Susanne Sahli tritt erneut an - Duell mit Elias Vogt
"Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, erneut für das Stadtpräsidium zu kandidieren"
August 12, 2026 - Lesezeit: 3 Minuten
Es gab bundesweite Schlagzeilen. Grechen verlor vor dem Bundesgericht gegen eine bekannte Privatperson (Solothurner Tagblatt berichtete hier und hier). Nach dem bundesgerichtlichen Aus für ihre Wahl zur Stadtpräsidentin will Susanne Sahli erneut antreten. Die FDP-Politikerin hat ihre Kandidatur für die Wiederholung der Stadtpräsidiumswahl in Grenchen bekanntgegeben. Der erste Wahlgang findet am 27. September 2026 statt.
Sahli war im September 2025 zur Stadtpräsidentin gewählt worden. Im entscheidenden zweiten Wahlgang setzte sie sich mit 2094 Stimmen denkbar knapp gegen den damaligen Vize-Stadtpräsidenten Patrick Crausaz (GLP) durch – der Vorsprung betrug lediglich 25 Stimmen.
Doch die Wahl wurde angefochten. Der Politaktivist Elias Vogt zog den Fall bis vor Bundesgericht. Dieses kam im Juni 2026 zum Schluss, dass es bei der Wahl vom 28. September 2025 zu erheblichen Verfahrensmängeln gekommen war. Unter anderem waren Wahlcouverts erst am Sonntagmorgen aus dem Briefkasten geholt worden, obwohl die Frist bereits um Mitternacht abgelaufen war. Zudem wurden eingegangene Couverts nicht in einer Urne, sondern in Schachteln aufbewahrt. Wegen des knappen Resultats konnte laut Bundesgericht nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Unregelmässigkeiten auf den Wahlausgang ausgewirkt hatten. Die Wahl wurde deshalb aufgehoben.
Für Sahli bedeutete der Entscheid den sofortigen Verlust des Stadtpräsidiums. Gleichzeitig stellte das Bundesgericht klar, dass die von ihr bis dahin vorgenommenen Amtshandlungen aus Gründen der Rechtssicherheit gültig bleiben.
Zunächst war zudem offen, wie die Wahl wiederholt werden sollte. Die Stadt Grenchen wandte sich deshalb an das Bundesgericht. Dieses verwies die Frage nach dem konkreten Ablauf an Kanton und Gemeinde. Die Gemeinderatskommission entschied anschliessend, die Wahl vollständig neu auszuschreiben und damit wieder am Anfang zu beginnen.
Nun ist klar: Sahli will es noch einmal wissen.
«Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, erneut für das Stadtpräsidium zu kandidieren», schreibt sie in einer auf Facebook veröffentlichten Erklärung. Den Entscheid des Bundesgerichts respektiere sie. Ihre Motivation und ihr Ziel hätten sich jedoch nicht verändert.
Sahli will nach eigenen Worten die begonnene Arbeit für Grenchen gemeinsam mit der Bevölkerung, der Verwaltung und den politischen Behörden weiterführen. Dabei setzt sie auf ihre bisherige politische Bilanz und formuliert ihren Anspruch selbstbewußt: «Versprochen. Angepackt. Bewiesen.»
Duell mit Elias Vogt
Mit ihrer erneuten Kandidatur kommt es zu einem besonderen politischen Duell. Ebenfalls angemeldet hat sich der 30-jährige Unternehmer Elias Vogt – jener Kandidat, der mit seiner Beschwerde die Wiederholung der Wahl erreicht hatte. Damit stehen sich bei der Neuwahl zwei Personen gegenüber, die bereits in unterschiedlicher Weise Teil der Vorgeschichte dieses Wahlkampfs waren.
Der bisherige Vize-Stadtpräsident Patrick Crausaz tritt dagegen nicht erneut an. Er hatte gemeinsam mit Sahli Anfang August über die politische Ausgangslage informiert und seine erneute Kandidatur ausgeschlossen.
Die Ausgangslage ist damit ungewöhnlich: Sahli kämpft um die Rückkehr in ein Amt, das sie bereits innehatte, dessen Wahl aber vom höchsten Schweizer Gericht aufgehoben wurde. Zugleich wird die neue Abstimmung für die Grenchnerinnen und Grenchner zur erneuten Entscheidung über die politische Führung ihrer Stadt.
Der erste Wahlgang ist für den 27. September 2026 angesetzt. Sollte ein zweiter Wahlgang nötig werden, findet dieser am 29. November 2026 statt.
(pd, rm)
(Foto: FB Suanne Sahli)

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