Kommentar zur erneuten Stadtpräsidentenwahl in Grenchen: Thomas Baumann hinterfragt Crausaz’ Rückzug und dessen Begründung im Namen des Stadtwohls.

Grenchner Stadtpräsidentenwahl

Das sonderbare Demokratieverständnis des Patrick Crausaz

Kommentar zur erneuten Stadtpräsidentenwahl in Grenchen: Thomas Baumann hinterfragt Crausaz’ Rückzug und dessen Begründung im Namen des Stadtwohls.

September 22, 2026 - Lesezeit: 2 Minuten

Ein Kommentar von Thomas Baumann

Am 28. September 2025 verlor Patrick Crausaz die Wahl zum Stadtpräsidenten gegen Susanne Sahli mit nur 25 Stimmen Unterschied.

Später wurde er dennoch zum Vize-Staatpräsidenten gewählt. Damit scheint er zufrieden zu sein. Seine Freude sei ihm unbenommen.

Im Juni wurde die Stadtpräsidentenwahl vom letzten Jahr vom Bundesgericht kassiert — selbst für Grenchner Verhältnisse waren dabei zu viele Ungereimtheiten passiert.

Doch jetzt, wo die Wahl wiederholt wird, will Patrick Crausaz plötzlich nichts mehr von einer Kandidatur wissen.

Wahlstrategisch wohl geschickt. Er hat seine Ziele erreicht und somit keinen Anlass, seine Position durch eine unmotivierte Niederlage zu schwächen.

Ganz anders lautete aber seine Begründung gegenüber der Presse: Manchmal müsse man persönliche Ambitionen für das Wohl einer Stadt zurückstellen, zitiert ihn die Zeitung ‹Der Bund›. Und: «Eine erneute Kandidatur hätte die aufgeheizte politische Stimmung kaum beruhigt. Sie hätte zu einer Lose-Lose-Situation für alle Kandidierenden geführt.»

Das Wohl der Stadt ist also, wenn die Stimmbürger keine Auswahl haben? Ein tatsächlich sehr sonderbares Demokratieverständnis.

Und was die angeblich aufgeheizte Stimmung anbelangt: Dadurch, dass Crausaz nicht mehr antrat, sah sich stattdessen Elias Vogt gezwungen, seinen Hut in den Ring zu werfen, damit die Bürgerinnen und Bürger wenigstens eine Auswahl haben. Man kann mit Fug und Recht davon ausgehen, dass der Wahlkampf gesitterter verlaufen wäre, wäre Patrick Crausaz nochmals gegen Susanne Sahli angetreten.

Patrick Crausaz stellt also seine persönlichen Ambitionen ganz offensichtlich über das Wohl der Stadt.

Fragt sich, warum er am 28. September 2025 dann überhaupt angetreten ist: Wollte er wirklich Stadtpräsident werden, oder war es bloss ein Manöver, um für seine Splitterpartei mehr Stimmen zu holen?

Diese Frage muss offen bleiben, denn offensichtlich will Patrick Crausaz nicht mit diesem Medium sprechen: Zwei Anfragen dieser Zeitung blieben unbeantwortet.

Auch das ist Grenchen.

(Beitragsbild: Bildschirmfoto offizielle Webseite von Patrick Crausaz)

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