Lambo, Florida-Hütte, Cash: SBB-Kader lässt’s krachen
SBB-Kadermann aus Olten soll neun Millionen Franken veruntreut haben
Oktober 20, 2026 - Lesezeit: 3 Minuten
Von Jürg Streuli
Bahn-Manager gönnte sich auf Steuergeld Leben in Saus und Braus – jetzt droht ihm Knast. Nicht der Erste, der zulangt: Controlling versagt.
Ein ehemaliger SBB-Kadermann aus Olten soll neun Millionen Franken veruntreut haben. Dies berichtete vorgestern CH Media.
In Olten befindet sich eine der Hauptwerkstätten der SBB. Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit zwei Jahren.
Der Prozess startet in 2 Wochen. Angeklagt sind auch die Schwester des Ex-SBB-Managers sowie drei Bekannte. Sie erhielten jeweils eine Million des erbeuteten Geldes.
In der Anklageschrift wird aufgeführt, was sich Unterschriftsberechtigte mit dem ergaunerten Geld der Steuerzahler für sein Leben in Saus und Braus gegönnt hat.
Lieber Lambo als Halbtax (Lamborghini)
Zur Hauptsache ein Grundstück im Kanton Solothurn (450’000 Franken), ein Haus in Florida (435’000 Franken) und 13 Autos. Darunter einen Lamborghini Gallardo LP570-4 Blancpain für 400’000 Franken, den es weltweit nur zwölfmal gibt.
Der Kadermann stellte Rechnungen für fiktive Bestellungen aus. Das Geld wurde dann auf Konten von Firmen transferiert, die von ihm kontrolliert wurden.
Um weniger aufzufallen, betrugen die einzelnen Rechnungen mehrheitlich nicht mehr als 50’000 Franken. Später sind in Einzelfällen auch mehr als 100’000 Franken veruntreut worden.
Als Motiv für sein Tun spricht der Beschuldigte von finanziellen Engpässen.
Die Mitangeklagten versuchen geltend zu machen, nichts von den Betrügereien gewusst zu haben.
Die Bundesanwaltschaft stellt sich hingegen auf den Standpunkt, sie hätten misstrauisch werden müssen, als sie jeweils rund eine Million Franken erhielten und auch vom Lebensstil des Hauptangeklagten gewusst haben.
Es gilt Unschuldsvermutung.
Ende Oktober startet der Prozess gegen den geständigen ehemaligen SBB-Manager und die vier nicht geständigen Mitbeschuldigten.
Weil Betrug schon nach 15 Jahren verjährt, ist ein erheblicher Teil des Schadens von 9 Millionen Franken nicht mehr strafrechtlich verfolgbar.
Die derzeit relevante Summe wird mit fünf Millionen Franken beziffert. Bei weiteren Verzögerungen könnte dieser Betrag noch weiter absinken.
Dem heute 54 Jahre zählenden früheren SBB-Manager droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe wegen ungetreuer Amtsführung, gewerbsmässigen Betrugs, schwerer Geldwäscherei und Urkundenfälschung.
Seit dem 23. Altersjahr war der Beschuldigte in verschiedenen Positionen für die Bundesbahnen tätig. Ein richtiger Bähnler also.
Ein Controlling, welches diese Bezeichnung auch tatsächlich verdienen würde, gibt es nicht bei den SBB. Der Staatsbetrieb ist es sich gewohnt, im Steuergeld zu schwimmen.
Die Buchhaltung der SBB ist leicht zu überlisten, weil lediglich die Übereinstimmung von Lieferant, Bestellnummer und Rechnungsbetrag kontrolliert wird.
Diese drei Faktoren bringt ein gewiefter Betrüger leicht zusammen. Deshalb kommt es bei den SBB immer wieder zu schweren Betrügereien, die über viele Jahre nicht aufgedeckt werden.
Wie etwa beim ehemaligen CEO von Elvetino. Der hat die Speisewagen-Tochter der SBB um Hunderttausende Franken betrogen und wurde vom Bezirksgericht Zürich zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.
Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal IP.

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