Solothurner Spitäler und Kurt Fluri
Ungereimtheiten rund um die Entlassung von Kurt Fluri — Regierungsrat macht keine gute Figur
August 7, 2026 - Lesezeit: 4 Minuten
Von Thomas Baumann
In einem Interview mit der Solothurner Zeitung nahm Kurt Fluri, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der Solothurner Spitäler AG, einen Tag, nachdem der Regierungsrat seine sofortige Absetzung verkündet hat, Stellung.
Im doppelseitigen Interview, das die beiden Redakteure Raphael Karpf und Eva Berger mit ihm führten, behauptete er keck, Regierungsrätin Susanne Schaffner habe ihn schon lange absetzen wollen. Sieht Kurt Fluri Gespenster?
Wohl eher nicht, wenn man sich die Entwicklung anschaut. Gemäss Regierungsrat war dieser mit der «Kommunikation der soH, insbesondere des Verwaltungsratspräsidenten Kurt Fluri, nicht einverstanden. Es kam zum Vertrauensbruch.»
Die Konsequenz: Kurt Fluri wurde abgesetzt. Offenbar war man, nimmt man die Mitteilung beim Wort, jedoch nicht bloss mit der Kommunikation von Kurt Fluri nicht einverstanden. Sondern auch mit der Kommunikation anderer Funktionsträger.
Bloss: mit welchen? Das bleibt selbstverständlich ungesagt. Und wie steht es mit den übrigen Verwaltungsratsmitgliedern? «Der Regierungsrat steht hinter dem Verwaltungsrat.»
Regierungsrätliches Chaos
Volles Vertrauen in den Verwaltungsrat also, null Vertrauen in Fluri. In der Welt des Regierungsrats scheinen nur die Farben Schwarz und Weiss zu existieren. Und in Personen, in die man kein Vertrauen hat, hat man jetzt angeblich doch Vertrauen.
Doch wie sehr steht der Regierungsrat tatsächlich hinter dem Verwaltungsrat?
Zum neuen Verwaltungsratspräsidenten Marcel Müller äussert er sich folgendermassen: «Dieser wird das Amt sicher bis zur nächsten ordentlichen Generalversammlung im April 2027 ausüben. Gleichzeitig hat der Regierungsrat den Auftrag erteilt, die Rekrutierung eines neuen Verwaltungsratspräsidenten in die Wege zu leiten.»
Man will also einen neuen Verwaltungsratspräsidenten rekrutieren, aber der alte darf vielleicht doch noch weitermachen. Und so steht man «hinter dem Verwaltungsrat» – aber eben auch wieder nicht so ganz.
Hätte ein Schüler dem neuen Regierungsrat und ausgebildeten Lehrer Mathias Stricker einen derart konfusen Aufsatz abgegeben – er hätte sich was anhören dürfen...
Und noch ein weiteres Fakt spricht für die Hypothese von Kurt Fluri: In diesem Frühjahr hat der Regierungsrat den Verwaltungsrat der Solothurner Spitäler nach vielen Jahren zu siebt auf acht Mitglieder aufgestockt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Was die Regierung darf, darf der Verwaltungsrat nicht
Doch was war überhaupt der Auslöser für diese Kabale? Richtig: Man hat dem CEO der Solothurner Spitäler angeblich jahrelang viel zu viel Lohn bezahlt. Die Zahlen: Im Jahr 2023 (seinem letzten vollen Jahr als CEO) erhielt Martin Häusermann ein Salär von 391'548 Franken inklusive der umstrittenen Funktionszulage.
Und 2025? Da erhielt CEO Franziska Berger ein Salär von 393'000 Franken. Oder exakt: 392'999.95 Franken.
Warum nicht gleich 392'999.99 Franken? Weil man es im Regierungsrat offenbar wie bei Migros und nicht wie bei Aldi machen möchte...
Fünfräppler hin oder her: Es fällt sofort auf, dass die neue CEO ähnlich viel verdient wie ihr Vorgänger. Hätte dieser damals auf die Funktionszulage von 45'000 Franken verzichten müssen, dann hätte die Funktion des CEO innert bloss zwei Jahren einen Lohnsprung von 13 % erlebt.
Aber dafür ist alles sauber, wie die soH stolz in ihrem Geschäftsbericht vermerkt: «Die Vergütung der CEO, Franziska Berger, wurde vom Regierungsrat festgelegt; sie erhält keine Funktionszulagen.» Vor allem keine Funktionszulagen!
Wenn zwei dasselbe tun, ist es eben nicht dasselbe: Zahlen ein Verwaltungsratspräsident und die Regierung dasselbe Salär aus, dann ist es im ersten Fall des Teufels und im zweiten Fall völlig in Ordnung. Das Problem war also gar nicht die Höhe des Lohns – denn letztlich zahlte die Regierung selber genau denselben Lohn aus wie der geschasste Verwaltungsratspräsident.
Bonus gibt es nicht, gibt es doch
Doch wie steht es mit dem Bonus? Im Fall des ehemaligen CEO Martin Häusermann wurde zusätzlich zum Lohn in den Jahren 2020–2024 noch ein Leistungsbonus von 18'500 Franken pro Jahr ausbezahlt.
Daher die Frage an die Solothurner Spitäler, wie es mit dem Bonus für die aktuelle CEO aussehe. Antwort: «Für soH-Mitarbeitende gibt es keinen Bonus; es gilt der Gesamtarbeitsvertrag des Kantons Solothurn.»
Ach ja? Dazu liest man auf der Webseite des Finanzdepartements: «Der Leistungsbonus LEBO ist Teil unseres Besoldungssystems und wird in Anlehnung an das Beurteilungs- und Entwicklungsgespräch ermittelt und durch die Vorgesetzten im Rahmen der für den LEBO zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel festgelegt (GAV § 134).»
Auch die Solothurner Spitäler machen hier keine gute Figur.

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